Als Eierstockkrebs oder Ovarialkarzinom bezeichnet man eine sehr heterogene Gruppe von bösartigen Tumoren, die von den Zellen des Eierstocks ausgehen. Oft treten zu Beginn der Erkrankung keine Symptome auf und daher wird das Ovarialkarzinom tendenziell spät erkannt. Die Mehrheit der diagnostizierten Ovarialkarzinome befindet sich bereits in einem fortgeschrittenem Stadium (etwa drei von vier Patientinnen).1
Eierstockkrebs
Eierstockkrebs einfach erklärt
Krebsbegleiter Redaktion, 21. Januar 2026
Wie häufig tritt Eierstockkrebs auf?
Eierstockkrebs zählt zu den seltenen Tumorerkrankungen. Das Lebenszeitrisiko für eine Erkrankung liegt bei etwa 1 Prozent – das bedeutet, dass ungefähr eine von 100 Frauen im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs erkrankt. In Österreich sind damit jährlich rund 1.000 Frauen neu betroffen.2,3
Die meisten Erkrankungen von Eierstockkrebs treten bei Frauen nach Eintreten der Menopause zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auf.4
Arten von Eierstockkrebs
Die Eierstöcke gehören zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen der Frau und liegen im kleinen Becken zu beiden Seiten der Gebärmutter, mit der sie über die Eileiter verbunden sind. Die aus Epithelzellen bestehende äußere Rinde der Eierstöcke enthält die Eizellen und umschließt das Mark, das sich aus Binde- und Stützgewebe sowie aus Blut- und Lymphgefäßen und Nervenfasern zusammensetzt. Da der Tumor aus mehreren dieser Gewebe- und Zellarten hervorgehen kann, werden auch mehrere Formen des Eierstockkrebses unterschieden. Diese zeigen neben den Unterschieden im zellulären Ursprung auch solche in Hinblick auf den klinischen Verlauf der Erkrankung und bezüglich der jeweiligen Überlebenschancen.1
Epitheliale Karzinome
sind mit ca. 90% die bei weitem häufigste Form des Ovarialkarzinoms und gehen vom obersten Deckgewebe des Ovars aus. Eine Subklassifizierung unterscheidet weiters seröse, endometrioide, klarzellige oder muzinöse Tumore, die zum Teil unterschiedliche Behandlungen erfordern und mit verschiedenen Prognosen verbunden sind.1
Keimstrang-Stroma-Tumore
Umfasst eine Gruppe an Tumoren, die entweder aus Zellen des Keimstrangs (Keimstrang-Tumor) bzw. des Bindegewebes (Stroma) entstehen. Etwa acht von 100 Erkrankungen weisen einen Keimstrang-Stroma-Tumor auf.1
Keimzell-Tumore
betreffen hingegen v.a. Frauen im jungen und mittleren Erwachsenenalter. In diesem Fall gehen die Krebszellen aus entarteten Eizellen hervor. Der Tumor bleibt häufig auf einen Eierstock begrenzt und die Überlebensaussichten für diese Form des Eierstockkrebses sind im Allgemeinen recht gut.1
Borderline-Tumore
werden überwiegend bei Frauen zwischen 45 und 55 Jahren entdeckt und verdanken ihre Bezeichnung dem Umstand, dass sie nicht eindeutig als gut- oder bösartig eingestuft werden können. Sie zeigen meist ein deutlich weniger aggressives Wachstum und sind mit vergleichsweise besseren Überlebenschancen verbunden.1
In seltenen Fällen kann v.a. bei fortgeschrittenen Stadien nicht eindeutig zwischen einem Eierstock-, einem Eileiter- und einem Bauchfellkrebs unterschieden werden. Die Behandlung erfolgt in diesen Fällen aber für alle drei Formen auf dieselbe Art und Weise.
Stadieneinteilung
Das Voranschreiten des Eierstockkrebses erfolgt über verschiedene Stadien, von denen nach der sogenannten FIGO-Klassifikation (Fédération Internationale de Gynécologie et dʼObstétrique) vier unterschieden werden:
FIGO I: bezeichnet das frühe Stadium, bei dem, der Krebs auf das Eierstockgewebe beschränkt ist, wobei er einen oder beide Eierstöcke betreffen kann.
FIGO II: Hier hat sich der Tumor im Becken ausgebreitet.
FIGO III: In diesem Stadium liegen Metastasen im Bauchfell vor oder es sind angrenzende Lymphknoten befallen.
FIGO IV: steht für das stark fortgeschrittene Stadium. Tumorgewebe hat sich über die Grenzen der Bauchhöhle hin ausgebreitet und hat über das Blut oder die Lymphe sogenannte Fernmetastasen z.B. in der Lunge oder in anderen Organen gebildet.
Die ebenfalls häufig verwendete Einteilung nach dem TNM-System (Tumor-Nodus-Metastasen) beurteilt auch das Ausmaß des Tumors, den Befall von Lymphknoten und das Auftauchen von Metastasen und stimmt mit der FIGO-Klassifikation überein.1
Symptome und Diagnose
Ovarialkarzinome werden in drei Vierteln der Fälle erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Dies liegt unter anderem daran, dass Becken und Bauchhöhle viel Platz bieten und das Tumorwachstum daher anfangs keine Beschwerden verursacht. Unspezifische Symptome (Verdauungsbeschwerden, unregelmäßige Blutungen, Erschöpfungszustände etc.) können zahlreiche andere Ursachen haben und werden daher kaum auf das Wachstum eines Eierstocktumors zurückgeführt.1
Dennoch wird empfohlen, dass bei Frauen über 50 weitergehende Untersuchungen eingeleitet werden sollen, wenn vom anhaltenden oder wiederholten Auftreten folgender Symptome berichtet wird:2
Völlegefühl
Blähungen
unklare Bauchschmerzen
Verdauungsbeschwerden
Zunahme des Bauchumfangs
unklare Gewichtsabnahme
häufigeres Wasserlassen als bisher üblich
Die Diagnose erfolgt zuerst mittels einer Spiegel- und Tastuntersuchung der inneren Geschlechtsorgane durch den Frauenarzt, ergänzt durch einen vaginalen Ultraschall, und bei erhärtetem Verdacht durch speziellere Bildgebungsverfahren wie Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zur Feststellung der Ausdehnung des Tumors. Zur exakten und endgültigen Diagnose ist fast immer eine Operation nötig, bei der Tumorgewebe entnommen und anschließend mikroskopisch sowie molekulardiagnostisch untersucht werden kann.1
Für detailliertere Beschreibung der Symptomatik und Diagnose von Eierstockkrebs:
Risikofaktoren und Ursachen
Ein allgemeingültiger Risikofaktor ist das Alter, weil mit zunehmendem Alter bis zur Grenze von ca. 85 Jahren die Wahrscheinlichkeit an Eierstockkrebs zu erkranken ansteigt. Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen, sind hormonelle Faktoren, wie eine frühes Eintreten der Menstruationsblutung, späte Menopause, Hormonersatztherapien zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden (v.a. mit Östrogen-Monopräparaten), Übergewicht und die Tatsache, nie schwanger gewesen zu sein.
Umgekehrt scheinen mehrere Schwangerschaften und längere Stillzeiten ebenso wie die Einnahme der Antibabypille das Risiko zu verringern. Schließlich zeigen aus noch ungeklärten Gründen auch sterilisierte Frauen ein geringeres Risiko für die Entwicklung von Eierstockkrebs.
Erbliche Faktoren
Eine besondere Rolle bezüglich des Risikos an Eierstockkrebs zu erkranken, spielen erbliche Faktoren, die für rund 10% aller Fälle verantwortlich sind. Bei Personen, die vom familiären Brust- und Eierstockkrebssyndrom betroffen sind, treten innerhalb der genetischen Verwandtschaft Brustkrebs, Eierstockkrebs und weitere Krebsarten mit überdurchschnittlicher Häufigkeit auf. Dafür sind Veränderungen in Genen verantwortlich, die mit der Reparatur von Genschäden zu tun haben, v. a. Veränderungen in den Genen BRCA1 (für BReast CAncer) und BRCA2.1
Allerdings ist selbst beim Vorliegen solcher Genveränderungen keinesfalls mit der Gewissheit einer Erkrankung zu rechnen, weshalb frühzeitige Tests darauf erst nach ausführlicher Beratung empfohlen werden.
Wie verläuft die Krankheit, wie wird Eierstockkrebs behandelt?
Solange der Eierstockkrebs unbemerkt bleibt, durchläuft die Entwicklung des Ovarialkarzinoms die oben als FIGO I bis IV bezeichneten Stadien. Um das genaue Stadium erkennen zu können, wird eine Staging-Operation durchgeführt, bei der die Diagnose abgesichert, das Ausmaß erkundet und schon möglichst vollständig alles Tumorgewebe entfernt wird. Dabei wird, selbst wenn der Krebs in einem frühen, örtlich begrenzten Stadium entdeckt wird, gemäß der Empfehlung der Expert:innen neben den beiden Eierstöcken und Eileitern auch die Gebärmutter entfernt, zudem auch das Bauchnetz, eventuell auch der Blinddarm sowie die Lymphknoten entlang der Beckengefäße und der großen Bauchgefäße. Weiters erfolgt eine Entnahme von Gewebeproben an auffälligen und unauffälligen Stellen und von Bauchwasser, das im Labor auf vorhandene Krebszellen untersucht wird.
Nur wenn der Krebs im FIGO-Stadium I entdeckt wird und nur ein Eierstock befallen ist, kann die Operation in manchen Fällen unter Bewahrung der Fruchtbarkeit der Frau erfolgen.
In fortgeschrittenen Stadien werden neben den genannten Geweben auch Teile der mit Metastasen befallenen Organe entfernt um so weit wie möglich Tumorfreiheit herzustellen.
Abhängig von den histologischen und molekularen Befunden, die aus der Untersuchung der Gewebeproben gewonnen werden, erfolgt dann im Weiteren eine Chemotherapie, die bei der Operation nicht sichtbare oder nicht entfernbare Tumorzellen abtöten oder deren Wachstum hemmen soll. Anschließend oder auch alternativ dazu erfolgt nach Möglichkeit eine zielgerichtete systemische Therapie.1
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Referenzen:
Eierstockkrebs Ein Ratgeber für Patientinnen. Patientenleitlinie aus dem „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe. April 2018.
Ovarialkarzinom – Leitlinie. Onkopedia. Empfehlungen der Fachgesellschaft zur Diagnostik und Therapie hämatologischer und onkologischer Erkrankungen. Juli 2023.
Statistik Austria. Krebserkrankungen 2025. https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/gesundheit/krebserkrankungen
Medical University Vienna. Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Gynecologic Cancer Unit (CCC-GCU) https://ccc.meduniwien.ac.at/en/gcu/patientinnen/tumore/eierstockkrebs-ovarialkarzinom/
AT-15848, 02/2026
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