Magenkrebs, medizinisch auch als Magenkarzinom bezeichnet, ist eine bösartige Erkrankung der Magenschleimhaut. In den meisten Fällen entsteht der Tumor aus Drüsenzellen der Schleimhaut, die für die Produktion des Magensafts und weiterer Verdauungsstoffe verantwortlich sind. Diese Form, die am häufigsten auftritt, nennt man Adenokarzinom des Magens. Magenkrebs kann jedoch in vielen verschiedenen Formen und Ausprägungen auftreten.

Der Magen ist ein wichtiger Bestandteil unseres Verdauungssystems. Er speichert die Nahrung, vermengt sie mit Magensäure und bereitet sie für die Weiterverarbeitung im Dünndarm vor. Wenn sich Zellen der Magenschleimhaut über viele Jahre hinweg verändern und unkontrolliert vermehren, kann daraus Krebs entstehen. Häufig entwickelt sich Magenkrebs schleichend. Frühstadien verursachen meist keine oder nur unspezifische Beschwerden und Symptome, weshalb die Erkrankung oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird.

Welche Arten von Magenkrebs gibt es?

Magenkrebs ist keine einheitliche Erkrankung. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden verschiedene Formen. Die diversen Einteilungen sind wichtig, weil sie Einfluss darauf haben können, wie schnell der Tumor wächst und welche Behandlungen und Therapien am besten geeignet sind.

Man unterscheidet die im Magen vorkommenden Krebsarten vor allem nach der Gewebeart, dem Wachstumsmuster und der Lage im Magen, sowie in unterschiedliche Stadien.

1. Einteilung nach Gewebeart: Adenokarzinom & Co.

In über 90 Prozent der Fälle handelt es sich bei Magenkrebs um ein sogenanntes Adenokarzinom (eine Krebsform, die aus Drüsenzellen entsteht). Diese Drüsenzellen produzieren im Normalfall Magensaft.

2. Einteilung nach dem Wachstum: Laurén-Klassifikation

Eine wichtige feingewebliche Einteilung ist die sogenannte Laurén-Klassifikation (eine Einteilung nach dem Aussehen und Wachstumsverhalten der Krebszellen unter dem Mikroskop). Sie unterscheidet zwei Haupttypen:

Der intestinale Typ (intestinal bedeutet „darmähnlich“) ähnelt in seinem Aufbau dem Gewebe des Darms. Er bildet drüsenartige Strukturen und tritt häufiger bei älteren Menschen auf. Oft besteht ein Zusammenhang mit einer langjährigen Infektion durch das Bakterium Helicobacter pylori.

Was ist Helicobacter pylori? 

Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das sich in der Magenschleimhaut ansiedeln kann. Es ist besonders widerstandsfähig und kann trotz der starken Magensäure überleben. Eine langjährige Infektion führt häufig zu einer chronischen Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und kann Magengeschwüre verursachen. Sie gilt als wichtigster bekannter Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs. Die Infektion kann in der Regel mit einer Kombination aus diversen Antibiotika behandelt werden, sie bleibt jedoch oft lange unentdeckt.

Der diffuse Typ (diffus bedeutet „verstreut“) wächst flächig in die Magenwand hinein und bildet keine klar abgegrenzten Strukturen. Die Krebszellen verteilen sich eher verstreut in der Magenwand. Diese Form gilt als aggressiver und kann auch jüngere Menschen betreffen. In seltenen Fällen liegt eine erbliche Veränderung des CDH1-Gens (ein Gen, das für den Zusammenhalt von Zellen wichtig ist) zugrunde.

3. Einteilung nach der Lage im Magen

Auch der Ort, an dem der Tumor entsteht, ist wichtig. Tumoren können sich in allen Abschnitten des Magens bilden. Ein Adenokarzinom am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen wird als Adenokarzinom des gastroösophagealen Übergangs bezeichnet. Je nach genauer Lage kann ein solcher Tumor auch als Speiseröhrenkrebs eingestuft werden. Die genaue Lage des Tumors beeinflusst unter anderem, wie umfangreich eine Operation sein muss.

4. Seltene Tumorarten im Magen

Neben dem klassischen Magenkarzinom gibt es auch seltenere bösartige Tumore, die im Magen auftreten können, jedoch anders entstehen:

  • Das MALT-Lymphom (eine Krebserkrankung des lymphatischen Gewebes, also eines Teils des Immunsystems) entwickelt sich aus Abwehrzellen der Magenschleimhaut. Es steht häufig in Verbindung mit einer Infektion durch Helicobacter pylori. (siehe Infobox)

  • Der gastrointestinale Stromatumor (GIST) ist ein Tumor, der aus Weich- und Stützgewebe entsteht. Diese Art von Tumor wird auch Sarkom genannt.1

  • Außerdem gibt es neuroendokrine Tumoren (NET) des Magens. Diese entstehen aus speziellen Zellen, die Hormone bilden und ins Blut abgeben.

Diese Tumore sitzen zwar im Magen, gehören jedoch streng genommen nicht zu den klassischen Magenkarzinomen, da sie aus anderen Zellarten entstehen.

Stadieneinteilung bei Magenkrebs (Stadium 0–IV)

Neben der Art des Tumors ist das Stadium der Erkrankung entscheidend. Das Stadium beschreibt, wie weit sich der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits ausgebreitet hat. Es hat großen Einfluss auf die Therapieplanung und die Prognose.

Bei Magenkrebs unterscheidet man die Stadien 0 bis IV:

  • Im Stadium 0 (Frühstadium) sind die Krebszellen ausschließlich auf die oberste Schicht der Magenschleimhaut begrenzt. Man spricht hier auch von einem sehr frühen Tumorstadium. In dieser Phase bestehen besonders gute Heilungschancen.

  • Im Stadium I ist der Tumor bereits tiefer in die Schleimhaut oder die darunter liegenden Wandschichten eingewachsen, jedoch meist noch auf den Magen begrenzt.

  • Im Stadium II und III wächst der Tumor weiter in die Magenwand ein oder hat bereits nahegelegene Lymphknoten befallen. Lymphknoten sind kleine Filterstationen des Immunsystems, über die sich Krebszellen ausbreiten können.

  • Im Stadium IV hat sich der Krebs auf entfernte Organe ausgebreitet. Man spricht dann von Fernmetastasen (Tochtergeschwülsten in anderen Organen). Häufig betroffen sind Leber, Bauchfell oder Lunge.

TNM-Klassifikation

Zur genauen Bestimmung des Stadiums verwenden Ärztinnen und Ärzte die sogenannte TNM-Klassifikation. Dieses internationale System beschreibt die Ausbreitung des Tumors genauer:

  • T (Tumor) gibt an, wie tief der Tumor in die Magenwand eingewachsen ist.

  • N (Nodes = Lymphknoten) beschreibt, ob und wie viele nahe gelegene Lymphknoten betroffen sind.

  • M (Metastasen) zeigt, ob Fernmetastasen in anderen Organen vorhanden sind.

Glühbirne

Ein Beispiel

T1 N0 M0 bedeutet, dass der Tumor noch auf den Magen begrenzt und nicht tief in die Magenwand eingewachsen ist, keine Lymphknoten befallen sind und keine Metastasen vorliegen.

Die genaue Stadieneinteilung kann teilweise erst nach einer Operation und der feingeweblichen Untersuchung des entfernten Gewebes endgültig festgestellt werden. 

Die Symptome von Magenkrebs

In frühen Stadien sind die Beschwerden oft unspezifisch. Typische Anzeichen können ein anhaltendes Druck- oder Völlegefühl im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine neu aufgetretene Abneigung gegen bestimmte Speisen (insbesondere Fleisch) sein. Viele Betroffene berichten auch über einen allgemeinen Leistungsabfall oder ungewollten Gewichtsverlust.

Im weiteren Verlauf können Schluckbeschwerden auftreten, vor allem bei Tumoren im oberen Magenbereich. Tumorbedingte Blutungen können sich durch schwarz gefärbten Stuhl bemerkbar machen. Da diese Beschwerden auch bei gutartigen Erkrankungen wie einer Magenschleimhautentzündung oder einem Magengeschwür auftreten können, ist eine frühe ärztliche Abklärung wichtig.

Wie wird Magenkrebs festgestellt?

Zu Beginn steht ein ausführliches ärztliches Gespräch, die sogenannte Anamnese, in dem Beschwerden, Vorerkrankungen und Risikofaktoren erfasst werden. Die wichtigste Untersuchung ist dann die Gastroskopie (Magenspiegelung). Dabei wird ein dünner Schlauch mit Kamera über den Mund in den Magen eingeführt. Auffällige Stellen können direkt betrachtet und fotografiert werden. Gleichzeitig werden im Rahmen einer Biopsie Gewebeproben entnommen und analysiert. Erst die feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop sichert die finale Diagnose.

Nach bestätigter Diagnose erfolgen weitere Untersuchungen, um die Ausbreitung des Tumors beurteilen zu können. Dazu zählen Ultraschalluntersuchungen und CT (Computertomographie) des Bauch- und Brustraums. In bestimmten Fällen wird zusätzlich eine diagnostische Bauchspiegelung durchgeführt, um Metastasen im Bauchfell auszuschließen.

Ergänzend wird die entnommene Gewebeprobe im Labor auf bestimmte Merkmale des Tumors untersucht. Diese Merkmale geben Aufschluss darüber, welche zielgerichteten Therapien oder Immuntherapien für die Behandlung in Frage kommen könnten.

Mit dem endoskopischen Ultraschall (EUS), einem Ultraschall von innen, lässt sich zusätzlich bestimmen, wie tief der Tumor in die Magenwand eingewachsen ist. Dabei wird (wie bei der Magenspiegelung) ein Endoskop in den Magen eingeführt, an dessen Spitze sich neben der Kamera ein Ultraschallkopf befindet.

Wie häufig ist Magenkrebs?

Magenkrebs gehört weltweit zu den häufigeren Krebserkrankungen. In Mitteleuropa sind die Erkrankungszahlen in den letzten Jahrzehnten jedoch zurückgegangen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an, wobei die meisten Betroffenen bei der Diagnose über 70 Jahre alt sind. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.2

Wichtig ist jedoch:

Auch wenn Männer grundsätzlich häufiger betroffen sind, kann Magenkrebs selbstverständlich auch Frauen treffen. Besonders bei bestimmten Formen, wie etwa dem diffusen Typ, kann die Verteilung etwas anders sein.

Ursachen und Risikofaktoren für Magenkrebs

Als wichtigster Risikofaktor gilt eine chronische Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Dieses kann über Jahre hinweg die Magenschleimhaut schädigen und entzündliche Veränderungen verursachen, die das Krebsrisiko erhöhen. (siehe Infobox)

Weitere Risikofaktoren sind das Rauchen, eine sehr salzreiche oder stark verarbeitete Ernährung sowie chronische Magenschleimhautentzündungen. Auch starkes Übergewicht (Adipositas) und erhöhter Alkoholkonsum gelten als Risikofaktoren. Familiäre Vorbelastung kann auch eine Rolle spielen. In den meisten Fällen entsteht Magenkrebs jedoch durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren über einen langen Zeitraum.

Ist Magenkrebs vererbbar?

Die meisten Erkrankungen entstehen spontan und sind nicht direkt vererbbar. Es gibt jedoch seltene erbliche Formen, insbesondere das hereditäre (= erbliche) diffuse Magenkarzinom, das mit Veränderungen im CDH1-Gen in Verbindung steht. Bei familiärer Häufung kann eine genetische Analyse und Beratung sinnvoll sein.

Krankheitsverlauf

Unbehandelt wächst der Tumor zunehmend in tiefere Schichten der Magenwand ein und kann sich über die Lymph- oder Blutgefäße ausbreiten. Häufige Metastasenorte sind Leber, Bauchfell, Lunge und entfernte Lymphknoten. Der Krankheitsverlauf hängt stark vom Stadium zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ab.

Überlebenschancen bei Magenkrebs

Die Prognose ist stark vom Stadium abhängig. Wird der Tumor frühzeitig erkannt und vollständig operativ entfernt, bestehen deutlich bessere Heilungschancen. In fortgeschrittenen Stadien ist eine vollständige Heilung häufig nicht mehr möglich, jedoch können moderne Therapien das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und Beschwerden lindern.

Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen

Die wichtigste Therapie mit kurativem Ziel (Ziel einer vollständigen Heilung der Krankheit) ist die operative Entfernung des gesamten Tumors. Je nach Lage und Ausdehnung wird ein Teil des Magens oder in manchen Fällen eine vollständige Entfernung des Magens durchgeführt. Gleichzeitig werden umliegende Lymphknoten mit entfernt. Bei sehr früh erkannten Tumoren, die auf die Magenschleimhaut begrenzt sind, ist in manchen Fällen auch eine endoskopische Entfernung im Rahmen einer Magenspiegelung möglich.

Eine Operation wird häufig mit medikamentösen Therapien kombiniert: entweder vor der Operation, um den Tumor zu verkleinern und/oder nach der Operation, um das Rückfallrisiko zu senken.

Bei fortgeschrittener Erkrankung kommen systemische Therapien zum Einsatz. Dazu gehören, abgesehen von Chemotherapie, zielgerichtete Therapien, die gezielte Merkmale der Krebszellen angreifen, sowie Immuntherapien, die das körpereigene Immunsystem bei der Bekämpfung des Tumors unterstützen. Die Therapieplanung erfolgt individuell und interdisziplinär in Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen wie z.B. Onkologie, Chirurgie, Pathologie und Radiologie.

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Verwendete Quellen:

https://www.krebsinformationsdienst.de/magenkrebs , letzter Zugriff 01.07.2026

https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/magenkrebs-basis-infos-fuer-patienten/articles/onko-internetportal-basis-informationen-krebs-krebsarten-magenkrebs-basis-infos-fuer-patienten.html, letzter Zugriff 01.07.2026

https://www.onmeda.de/krankheiten/krebs/magenkrebs-id200305/, letzter Zugriff 01.07.2026

https://www.krebsinformationsdienst.de/gist, letzter Zugriff 13.07.2026

https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/krebs/magenkrebs-symptome-ursachen-therapie-735093.html, letzter Zugriff 01.07.2026

https://www.krebsinformationsdienst.de/magenkrebs/diagnostik, letzter Zugriff 07.07.2026

Referenzen:

  1. https://www.krebsinformationsdienst.de/gist, letzter Zugriff 13.07.2026

  2. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/krebs/magenkrebs-symptome-ursachen-therapie-735093.html, letzter Zugriff 01.07.2026

AT-16458, 08/2026

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